Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Paris und anderen europäischen Hauptstädten eine berühmte Bühnenvorführung: den Mechanischen Türken. Zur großen Überraschung des Publikums spielte diese große Holzkiste meisterhaft Schach. Erst viele Jahre später kam die Wahrheit ans Licht: In der Kiste waren keine Zahnräder und Hebel verborgen, sondern ein kluger Zwerg.
In dieser „erfundenen Geschichte" kommt der Mechanische Türke nach einer langen Reparatur zurück – und besitzt plötzlich eine ganz neue Sammlung erstaunlicher Fähigkeiten.
Der erstaunliche Mechanische Türke demonstriert seine neue allgemeine Intelligenz
Aus dem Bericht unseres Korrespondenten in Wien, 1811
Am vergangenen Dienstagabend besuchte ich wieder eine Vorführung des berühmten Mechanischen Türken von Herrn von Kempelen. Ich erwartete nur eine weitere Schachpartie. Stattdessen schien die Maschine eine erstaunliche Verbesserung erhalten zu haben.
Dem Publikum wurde erklärt, dass sich der Türke nicht länger auf Schach beschränken werde. Er könne jetzt allgemeine Fragen zu jedem Thema beantworten, Bücher zusammenfassen, die er nie gelesen habe, Gedichte auf Wunsch schreiben, juristische Gutachten entwerfen und sogar die lateinischen Aufsätze der Schuljungen schreiben.
Sein Besitzer versicherte uns, diese Verbesserungen würden „die Wissenswirtschaft verändern“.
Niemand wusste, was dieser Ausdruck bedeutete, aber niemand stellte eine Frage.
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Die Vorführung begann.
Ein Herr fragte:
„Wer war der größte römische Kaiser?“
Der Türke dachte kaum zwei Sekunden nach und antwortete:
„Das hängt von Ihren Bewertungskriterien ab. Wenn militärische Eroberungen am wichtigsten sind: Trajan. Wenn Verwaltungsreformen zählen: Augustus. Wenn philosophischer Einfluss entscheidet: Mark Aurel. Wenn gutes Marketing wichtig ist: Julius Caesar.“
Mehrere Professoren klatschten.
Einer flüsterte:
„Er spricht mit außerordentlichem Selbstvertrauen.“
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Ein Pfarrer fragte:
„Wie viele Einwohner hat Konstantinopel?“
Der Türke antwortete:
„Ungefähr 6,3 Millionen.“
Das Publikum sah verwundert aus. Was denn?
Der Besitzer hustete kurz.
„Die Maschine halluziniert gelegentlich.“
Das Publikum akzeptierte diese Erklärung sofort und verhielt sich, als wäre nichts Besonderes geschehen.
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Eine Dame bat die Maschine:
„Schreiben Sie bitte ein Sonett im Stil Shakespeares über meinen Chihuahua.“
Der Türke erledigte dies sofort.
Obwohl niemand glaubte, dass Shakespeare jemals einen solchen Hund gesehen hatte, waren sich alle einig, dass das Gedicht wirklich nach Shakespeare klang.
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Der Herausgeber einer Zeitung zeigte sich besorgt.
„Wenn diese Maschine Parlamentsdebatten in wenigen Sekunden zusammenfassen kann – was wird dann aus den Journalisten?“
Der Besitzer antwortete fröhlich:
„Sie werden mehr Zeit für wichtigere Aufgaben haben.“
Die Journalisten wirkten nicht überzeugt.
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Ein Rechtsanwalt fragte, ob der Türke auch Verträge schreiben könne.
„Das kann er ausgezeichnet“, antwortete der Besitzer.
Mehrere Anwälte wurden sichtlich nervös.
„Und stellt er jede Stunde in Rechnung?“ fragte einer.
„Noch nicht“, sagte der Besitzer.
Die Anwälte entspannten sich wieder.
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Als Nächstes zeigte der Besitzer etwas, das er iteratives Prompting nannte.
Statt einfach zu fragen:
„Beschreiben Sie Pferde“,
sollte man lieber sagen:
„Übernehmen Sie die Rolle eines erfahrenen Kavallerieoffiziers. Schreiben Sie für junge Stallmeister. Verwenden Sie eine klare Sprache. Geben Sie fünf praktische Beispiele.“
Alle waren sich einig, dass die zweite Antwort deutlich besser war.
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Als ich die Vorführung verließ, hörte ich zwei Väter über die Zukunft sprechen.
„Mein Sohn lernt Buchhaltung.“
„Ein schwerer Fehler.“
„Und Ihrer?“
„Er lernt, dem Türken bessere Fragen zu stellen.“
„Eine kluge Investition.“
Dann: „Aber ich würde dem K.I. keine wirklich wichtigen Entscheidungen anvertrauen.“
Der andere schwieg einen Moment.
„Trotzdem“, sagte er, „schreibt er einen ziemlich guten ersten Entwurf.“

